Dynamischer Waldbegriff „reloaded“– Risiken für Deponieprojekte

Dynamischer Waldbegriff „reloaded“– Risiken für Deponieprojekte

Der Bundesgerichts-Entscheid vom 27. November 2025  zur Waldfeststellung bestätigt die Rückkehr des dynamischen Waldbegriffes: Massgeblich ist der tatsächliche Bewuchs, nicht alte Waldgrenzen. Für Deponieprojekte bedeutet dies ein potenziell erhöhtes Risiko zusätzlicher Bewilligungen, Verzögerungen und Kosten, wenn Waldflächen im Perimeter liegen oder sich dort entwickeln.

Eine frühzeitige Waldfeststellung und koordinierte Verfahren sind heute zentral, um Planungssicherheit zu gewährleisten.

Der Entscheid und Konsequenzen

Der aktuelle Entscheid zur Waldfeststellung stellt klar:

Der dynamische Waldbegriff gilt weiterhin. Wald ist, was faktisch Wald ist – unabhängig von früheren Feststellungen oder statischen Waldgrenzen. Damit wird die Waldfeststellung wieder stärker an den realen Bewuchs geknüpft. Alte Waldgrenzen bieten keine verlässliche Planungssicherheit mehr, wenn die tatsächliche Bewaldung davon abweicht.

Für Projekte ausserhalb der Bauzonen – darunter auch Deponien – ist dies besonders relevant. Der Entscheid betont zudem das Koordinationsgebot: Waldfeststellung, Rodungsfragen und raumplanerische Interessen müssen frühzeitig und gemeinsam beurteilt werden. Ein Vertrauensschutz besteht nur, wenn eine Behörde eine aktuelle Waldfeststellung vorgenommen hat, auf die sich ein Projektträger verlassen durfte.

Auswirkungen auf Deponieprojekte

Deponiestandorte liegen häufig in Übergangsbereichen zwischen Offenland und Wald. Der dynamische Waldbegriff führt dazu, dass sich Waldflächen im Projektperimeter neu qualifizieren können – auch wenn frühere Feststellungen anderes vermuten liessen.

Dies kann:

  • Rodungsbewilligungen erforderlich machen,
  • Verfahren verzögern,
  • Projektkosten erhöhen,
  • oder Projekte in Einzelfällen verhindern, wenn die Interessenabwägung zugunsten des Waldes ausfällt.

Die Bewilligung richtet sich nach dem Ist‑Zustand, nicht nach dem geplanten Endzustand. Eine spätere Aufforstung nach Abschluss der Deponie ist möglich und oft sinnvoll, ersetzt aber nicht die Pflicht zur Rodungsbewilligung, wenn heute Wald vorhanden ist.

Empfehlungen für die Praxis

  • Frühzeitige Waldfeststellung durch die zuständige Forstbehörde – vor Sondernutzungsplanung/Projektierung.
  • Regelmässige Aktualisierung der Waldfeststellung, insbesondere bei längeren Planungsphasen.
  • Koordinierte Verfahren zwischen Forst-, Umwelt- und Planungsbehörden, um spätere Überraschungen zu vermeiden.
  • Dokumentation des Vegetationszustands im gesamten Perimeter, inkl. Übergangsbereiche.
  • Strategische Standortwahl: Waldnahe Perimeter erhöhen das Risiko zusätzlicher Bewilligungen.
  • Aufforstungskonzepte früh einplanen – sie verbessern Akzeptanz, ersetzen aber keine Rodungsbewilligung.

Fazit

Der dynamische Waldbegriff stärkt den Schutz des faktischen Waldes und erhöht die Anforderungen an die Planung von Deponien. Für die Abfallwirtschaft bedeutet dies: Waldfragen gehören heute zu den zentralen Risikofaktoren eines Deponieprojekts.

Wer frühzeitig klare Waldfeststellungen einholt und die Koordination sicherstellt, reduziert Verzögerungen und schafft Rechtssicherheit.

BGer 1C_660/2024:

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